In den Spielzeiten 2009/10 und 2010/11 war ich Operndirektor und Chefdramaturg am Salzburger Landestheater. Für mich hatten sich in Salzburg die Prinzipien der Arbeit gegenüber Heidelberg natürlich nicht geändert. Die Konstellation im Leitungsteam führte allerdings zu spezifisch anderen Resultaten. Die Größe der Stadt entsprach der von Heidelberg (rund 150.000 Einwohner), das Landestheater ist ein Helmer & Fellner-Haus mit 700 Plätzen – relativ groß. Stadt und Land Salzburg bieten etwas andere Voraussetzungen als Heidelberg: Die Festspiele sind allgegenwärtig und das Publikum kommt aus weitem Umkreis im Land Salzburg und in Bayern. Die Gefahr liegt darin, das Niveau der Festspiele gar nicht erst erreichen zu wollen bzw. sich auf ein gemütlich-ländliches Publikum einzustellen und dieses nicht überfordern zu wollen. Die Tradition gab vor, dass das Landestheater jährlich eine Produktion in einem der Festspielhäuser herausbringt: Schon hier war ein Niveau gefragt, das über die dort das Jahr über stattfindenden Gastspiele sichtbar hinausragen sollte. Im Landestheater spielt das Mozarteum-Orchester, das mit Ivor Bolton einen Chefdirigenten hat, der die Verantwortung für das Landestheater bei der Vertragsverlängerung abgegeben hatte; es musste also zunächst ein Musikdirektor für das Landestheater gesucht werden. Das Mozarteum-Orchester entschied sich für Leo Hussain, der Intendant folgte der Empfehlung. Da dessen Temperament sich nicht nur mit dem meinen nicht vertrug, entschied ich mich bereits nach einem halben Jahr, meinen Vertrag nicht zu verlängern.

 


Ich entwickelte folgende Spielplanlinien:
–  In der Mozartstadt jedes Jahr eine Mozartoper, abwechselnd ein populäres und ein unbekannteres Stück

–   Eine Spieloper aus dem deutschen oder internationalen Repertoire, nach Möglichkeit regelmäßig auch Lortzing

–   Eine Barockoper, nach Möglichkeit die Wiederentdeckung eines unbekannten Meisterwerks, historisch informiert

–   Eine Operette, möglichst historisch informiert, möglichst auch Berliner Operette

–   Ein Meisterwerk des 20. Jahrhunderts

–   Ein Meisterwerk im Festspielhaus

–   Ein neues Werk als Zweitaufführung an besonderem Spielort

–   Ein Stück für Kinder

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