In den Spielzeiten zwischen den Jahren 2005 und 2009 hatte ich als Heidelberger Operndirektor die Programmierung meiner Sparte zur Aufgabe, und auch für die folgende Spielzeit 2009/10 war das Programm noch zu entwerfen – gemeinsam mit dem Intendanten Peter Spuhler und dem Generalmusikdirektor Cornelius Meister.

1. Denn die erste Voraussetzung für unseren Erfolg war die Arbeit als Team. So unterschiedlich unsere Standpunkte manchmal auch waren, Entscheidungen wurden nur gemeinsam getroffen, sobald eine Einigung gefunden war. Egoistische Machtkämpfe auf der Führungsebene zehren an nicht wenigen Häusern die kreative Energie auf – die dann der Kunst fehlt.

2. Klare Programmlinien: eine Mozart-Oper mit Cornelius Meister, die Zweitproduktion einer soeben uraufgeführten Oper, eine Kirchenoper von Benjamin Britten, nach Möglichkeit eine Wiederentdeckung, eine Barockoper, Repertoirestücke nach den Erfordernissen des Sänger-Ensembles.

3. Ein deutliches Signal zum Anfang: Nach dem populären „Don Griovanni“ in einer ungewöhnlichen Regiekonzeption kam als zweites sogleich eine neue Oper. Dadurch wurde in der Stadt wahrgenommen, dass in diesem Haus jetzt mit neuem Ernst große Kunst gemacht wird.

4. Keine Produktion, die nicht ihre Notwendigkeit nachweist: Der Zuschauer muss das Theaterabend mit dem Gefühl verlassen, etwas Besonderes erlebt zu haben, das es nirgendwo anders gibt. Sowohl das Stück muss seine Triftigkeit bewiesen, als auch die Regie den Rahmen für das richtige Hören geliefert haben.

5. Ein junges, hochqualifiziertes Sängerensemble sorgt für Zugkraft auf der Bühne. Wo, wenn nicht an den kleineren Theatern soll der Nachwuchs seinen Beruf lernen? Wo, wenn nicht von den kleineren Theatern sollen die großen Häuser ihre Stars beziehen? Unsere Sänger waren nicht erfolglos: Larissa Krokhina ging nach Weimar, Jana Kurucová an die Deutsche Oper Berlin, Sebastian Geyer an die Oper Frankfurt.

6. Für die Qualitätsverbesserung ist es unerlässlich, dass die Ensemblemitglieder Liederabende singen. Liedgesang nützt der Gesangstechnik. Und Liederabende muss man lernen. Wir geben den jungen Sängern ebenso die Chance dazu wie den erfahrenen.

7. Chancen auch für junge Regieteams. Bei uns realisierten ihre erste Opernregie am Stadttheater: Sandra Leupold, Christian Spuck, Benedikt von Peter, Michael von zur Mühlen, Hendrik Müller, Daniel Cremer, Tobias Kratzer, Jim Lucassen; es debütierten die Bühnenbildner Susanne Münzner, Sebastian Hannak, Kathrin Wittig, Ben Baur, Jeroen van Eck. Die Regiehandschriften wurden ergänzt durch erfahrene Meister: Reinhild Hoffmann, Arila Siegert, Gottfried Pilz, Bernd Mottl. Dass darunter Choreographen sind, ist kein Zufall.

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