2006/07

Motezuma (2006)
Antonio Vivaldi, ergänzt von Thomas Leininger
Michael Form – Dirigent , Martín Acosta – Regie, Humberto Spíndola – Bühne und Kostüme
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– Vortrag Prof. Dr. Eric Jayme: Vivaldis „Motezuma” vor deutschen Gerichten
– Galanteries musicales – Heidelberger Philharmoniker, Michael Form
– Cantar suonando, Rosa Dominguez, Michael Form und Ensemble
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2007/08

L’Olimpiade [Die Olympiade] (2007)
Antonio Vivaldi
Michael Form – Dirigent , Werner Pichler – Regie, Klaus Teepe – Bühne,
Frank Bloching – Kostüme
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– Vortrag Prof. Dr. Silke Leopold: Freundschaft, Liebe, Leichtathletik.
Vivaldis „Die Olympiade“
– Cembaloabend Benjamin Alard
– Sportliches Barock – Lautten Compagney Berlin
– Le Roi danse – Barocker Tanz

Barockoper im neuen Roman – 3 Lesungen:
– Wolfgang Schlüter: Anmut und Gnade
– Rainer Cordts: Leanders Passion
– Margriet de Moor: Der Virtuose
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2008/09

Tito Manlio (2008)
Antonio Vivaldi
Michael Form – Dirigent, Hendrik Müller – Regie, Claudia Doderer – Bühne und Kostüme
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Vortrag Prof. Dr. Silke Leopold:
– Orgelkonzert  Benjamin Alard, Paris
– Quartett barock – Ensemble Entr’acte Basel
– Händel & Haydn – Heidelberger Philharmoniker, Michael Form
– Jean Japart: Meister des Fricassée – Les Flamboyants, Michael Form
– Die Violin-Sonaten von Bach – Thierry Stöckel, Violine, Arnold Werner-Jensen, Cembalo
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2009/10

Spartaco (2009)
Giuseppe Porsile
Michael Form – Dirigent, Michael von zur Mühlen – Regie, Ben Baur – Bühne und Kostüme
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– Vortrag Prof. Dr. Silke Leopold: Die letzten Tage des Spartakus
– Cembalokonzert Dirk Börner
– Concerto veneziano – Annika Ritlewski, Sopran, Lautten Compagney Berlin
– Preußische Empfindsamkeit – Ludger Rémy, Orgel und Hammerclavier
– Oper ohne Worte: Neapolitanische Instrumentalmusik – Orchestre Atlante, Michael Form
– Kostbarkeiten des deutschen Barock – Leonore von Zadow-Reichling, Henner Eppel und Arnold Werner-Jensen
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2010/11

Bajazet (2010) ital.
Antonio Vivaldi
Michael Form – Dirigent, Daniel Pfluger – Regie, Flurin Madsen – Bühne, Janine Werthmann – Kostüme
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– Vortrag Prof. Dr. Silke Leopold: Der ganz normale Wahnsinn. Vivaldis Opernpasticcio „Bajazet“
– Weihnachtskonzert – Daniel Fritzsche, Violoncello, Olga Zheltikova, Cembalo
– Eine Nacht in Venedig – Lautten Compagney, Leitung und Laute Wolfgang Katschner
– Engel der Verzweiflung, Uraufführung – ein Abend für Tänzer und Musiker mit Musik von Scarlatti bis Händel von Joachim Schloemer
– Venezianischer Karneval – Orchestre Atlante, Leitung und Blockflöte Michael Form
– Bach und Händel I – Ensemble Musica ad Rhenum, Leitung und Traversflöte Jed Wentz
– Bach und Händel II – Thierry Stöckel, Violine, Reimund Korupp, Violoncello, Arnold Werner-Jensen, Cembalo
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Die Barockmusik hat sich seit ihrer Wiederentdeckung im 20. Jahrhundert stürmisch aus den Zirkeln der Spezialisten und der Kennerkreise herausentwickelt und interessiert heute ein breites Publikum, das durchaus auch selbst schon Kennerschaft entwickelt hat. Dass die Musik des Barock uns heute wieder näher steht, ist ein Ausdruck des Endes des bürgerlichen Zeitalters mit seinem dynamischen Fortschrittsbewusstsein. Die Musik unserer Zeit hat sich von den Formen des 19. Jahrhunderts inzwischen so weit entfernt wie dieses vom Barockzeitalter entfernt war.
Der Wunsch, die Aufführung von Barockopern zu einem regelmäßigen Bestandteil des Heidelberger Opernrepertoires zu machen, traf sich mit der Anfrage der Schwetzinger Schlossverwaltung, ob das Heidelberger Theater nicht im Winter etwas im Rokokotheater veranstalten könne, da es sonst in dieser Zeit kaum bespielt würde. Doch wie sollte das Orchester eines Stadtteaters mit seinen modernen Instrumenten Barock spielen? Schließlich erwartet das Publikum heute einen Standard von historisch informiertem Spiel, hinter den man nicht zurückfallen darf. Und auch die Sänger von heute haben selten die Kenntnisse der barocken Verzierungskunst und Phrasierungsweisen, die aus einem Barockopernabend erst ein mitreißendes Gesamterlebnis machen.
Es war also durchaus eine Entscheidung mit Risiko, als wir den jungen Barockspezialisten Michael Form baten, unser Reiseleiter durch dieses Abenteuer zu sein. Michael Form hatte sich als Virtuose auf der Blockflöte international einen Namen gemacht und vor einiger Zeit begonnen, von der Leitung kleinerer Ensembles auch zum Dirigieren des Orchesters weiterzugehen. Er hatte Alte Musik und Barock nicht nur praktiziert, sondern auch theoretisch gründlich studiert. So konnte er Musiker und Sänger von Grund auf vorbereiten. Am Beginn der Probenphase stand immer ein Workshop mit einer Spezialistin für die Streicher des Orchesters, in der das historisch informierte Spielen trainiert wurde. Das Philharmonische Orchester schaffte Barockbögen an, später auch Natur-Hörner und Trompeten. Der Einstieg verlief nicht konfliktfrei, doch von Jahr zu Jahr waren die Fortschritte deutlich zu hören, bis das Orchester beinahe klang wie ein Spezialistenensemble.
Da die Musiker ja gleichzeitig das Standardrepertoire spielt und dafür nicht jeden Tag die Instrumente wechseln bzw. umstimmen kann, war rasch klar, dass wir Opern spielen würden, deren Originalstimmung mit der heutigen ungefähr übereinstimmte. Im barocken Venedig war die Stimmung 440 Hertz, deshalb lag die Wahl von Opern Antonio Vivaldis nahe, die noch zu entdecken waren. Besonders reizvoll erschien uns der kürzlich wiedergefundene „Motezuma“, der durch Carpentiers Roman „Concierto barroco“ berühmt war. Dass ein Drittel der Partitur fehlte, hielt uns nicht davon ab, das Werk komplett zu spielen: Der junge Komponist Thomas Leininger vervollständigte es auf so verblüffende wie befriedigende Weise im Stil Vivaldis. Dass das Regieteam aus Mexiko kam, machte die Aufführung zu einem Ereignis, das die Zuschauer lang nachwirkend verzauberte.
Es folgten von Antonio Vivaldi „L’olimpiade“ (Die Olympiade) mit ihrer wahnwitzigen Handlung bei den antiken Olympischen Spielen, „Tito Manlio“ mit einer Geschichte und mit Figuren, die später bei dem auch von Mozart vertonten „Titus“ wieder durchscheinen, und „Bajazet“, in dem der türkische Sultan für die westliche Kultur steht, die durch die barbarischen Tartaren gefährdet wird. Junge Regisseure sorgten dafür, dass diese Aufführungen immer unterschiedlich spannend gerieten. Besonders umstritten war Giuseppe Porsiles „Spartaco“, unser einziger Seitensprung von Vivaldi. Bei einem Thema wie Spartakus klafft unsere heutige Sichtweise von der des Barock natürlich besonders weit auseinander. Aber ein Abenteuer sollte er ja sein, unser Ausflug in eine fremde Epoche, die uns so seltsam vertraut vorkommt.

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